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Sat-ND, 28.3.96




Sat-ND -- Informationen zur europäischen Satelliten- und Medienszene

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Nachrichten vom 28.3.1996

INMARSAT, fünfte Generation - die erste
Ein geostationärer Satellit der weniger bekannten Machart steht vor dem Start: 
INMARSAT 3-F1. Los geht's von Cape Canaveral am 1. April zwischen 6.04 und 6.41 
Ortszeit. Der Satellit ist der erste der sogenannten fünften Generation, der 
durch mehr Leistung und bessere Technik ganz neue Anwendungen verspricht. Vor 
allem das Telefonieren über INMARSAT wird dank kleinerer Endgeräte billiger. 
Gestartet wird mit einer Atlas IIA. Ob auch der zweite der neuen INMARSATs, 
dessen Start ebenfalls 1996 bevorsteht, mit einer Atlas hochgeht, ist unbekannt. 
Den Vertrag hat man mit dem relativ neuen amerikanisch-russischen joint venture 
ILS (International Launch Services) abgeschlossen, das Atlas- und Proton-Raketen 
vermarktet.
Und jetzt der Abspann für diesen Start: Satellit - Lockheed Martin; 
Kommunikations-Nutzlast - Matra Maconi Space; Startrakete - Lockheed Martin.

GPS wird genauer
Die US-amerikanische Luftwaffe, auf neudeutsch auch als Air Force bekannt, 
startete heute mit einer Delta II erfolgreich den 25. Satelliten des Global 
Positioning System (GPS), das weltweit zur Navigation und Ortsbestimmung mit 
kleinen und preisgünstigen Geräten genutzt werden kann. Es besteht übrigens aus 
24 Satelliten, so daß der Verwendungszweck für den Neuen deutlich wird: Er wird 
einen der GPS-Oldies ersetzen. Kenner der politischen PR-Mechanismen werden es 
kaum für einen Zufall halten, daß heute US-Präsident Clinton eine Verordnung zur 
Freigabe des GPS-Systems für die zivile Nutzung unterzeichnen wollte, die morgen 
wohl von Vizepräsident Al Gore bekanntgegeben wird.. Die war zwar schon immer 
möglich, dank eines Störsignals allerdings mit deutlich reduzierter Genauigkeit. 
Es sei denn, die USA waren mal wieder irgendwo als Weltpolizist in kriegerischer 
Aktion. Das Militär selbst hat nämlich nicht genügend militärische 
GPS-Ortungsgeräte und muß in Krisenzeiten deshalb auf zivile Versionen 
zurückgreifen. Meistens wurde deswegen das Störsignal ohnehin abgeschaltet. Wo 
es auf erhöhte Genauigkeit ankommt, zum Beispiel in der Nähe von Flughäfen, kann 
man die Auflösung des Systems ohnehin durch Einsatz terrestrischer 
Referenzstationen erhöhen. 
Entgegen anderen Forderungen werden die USA auch weiterhin keine Gebühren für 
die Nutzung von GPS erheben (wie sollte das auch funktionieren?) Die Industrie 
kann sich also auch weiterhin verrückteste Einsatzzwecke für GPS ausdenken, wozu 
das Aufspüren geklauter Autos ebenso zählt wie der Einsatz auf dem Grün. Dort 
werden Golfer inzwischen per GPS zum nächsten Loch gelotst. Nur ein Gerücht ist 
hingegen, daß bald auch GPS-Empfänger in Golfbälle eingebaut werden, um sie 
wiederzufinden.

Labour sendet über Satellit
Von dieser Partei können deutsche Politiker etwas lernen: Die britische Labour 
Party weihte heute ihren eigenen Satelliten-Uplink mit der Übertragung einer 
Pressekonferenz ihres Vorsitzenden Tony Blair ein. Der legt ja sowieso ganz toll 
viel Gewicht auf die neuen Technologien, und immerhin: Er nutzt sie auch. 
Während sich die Labour Party über die altmodischen und langweiligen 
Pressekonferenzen der Konservativen amüsiert, ziehen die Tories den 
Rechenschieber heraus. Man müsse die Kosten für den Satelliten-Gag wohl auf die 
Wahlkampfkostenerstattung für die bevorstehenden Nachwahlen zum Unterhaus 
anrechnen. 

Lockheed Martin und Loral: EU sagt Ja
Eine höchst satellitige Elefantenhochzeit steht kurz vor der Vollendung. 
Lockheed Martin Corp (LMC) kauft den größten Teil von Loral Corp. Doch gerade 
für den Satellitenbereich von Loral hat man sich etliche Tricks und Kniffe 
einfallen lassen, die heute sogar die EU-Kommission dazu veranlaßten, keinerlei 
Einwände zu erheben. Die Trabantenmanufaktur wird pro forma einer neu zu 
gründenden Firma namens Loral Space & Communications Ltd (LSCL) übertragen. 
Zwischen ihr und LMC gibt es zwar finanzielle und rechtliche Verbindungen, doch 
reichen die nicht aus, um einen beherrschenden Einfluß anzunehmen. Weitere 
Prüfungen behält sich die EU-Kommission vor. Ansonsten geht die Fusion wohl über 
die Bühne, denn in anderen Bereichen ergänzen sich beide Firmen so, daß sich die 
Marktanteile beider kaum addieren dürften. Derzeit setzt LMC rund 20 Milliarden 
ECU um, Loral 5 Milliarden.

Bertelsmann hat kein Interesse an MGM
In Gütersloh ist man genervt. Jedesmal, wenn einer dieser lästigen Auktionen von 
US-Filmstudios ansteht, weht der Name Bertelsmann penetrant wie Knoblauchduft 
durch die Gerüchteküche. Das sei nichts dran, stöhnt ein Manager, in der 
Richtung läuft gar nichts. Was ist passiert? Der jetzige Eigentümer von Metro 
Goldwyn Mayer (MGM), die französische Credit Lyonnais, stößt das Studio ab. Kein 
Notverkauf; man muß die Mehrheit ganz einfach aufgrund von US-Gesetzen aufgeben, 
die die Kontrolle einheimischer Filmproduzenten nicht auf Dauer gestatten. Und 
schon sprossen die Gerüchte über Bertelsmann, das wegen seiner digitalen 
Aktivitäten beim Bezahlfernsehen doch nun wirklich auf der Suche nach Software 
sein müsse. Immerhin gibt es einen weiteren potentiellen Bieter, der für seine 
Unternehmungen ebenfalls Stoff braucht: PolyGram NV aus den Niederlanden. Es 
gibt noch andere Teilnehmer für die Auktion, die bei 1,5 Milliarden US-Dollar 
beginnt, bis zu sechs Monate dauert und letztlich bis zu 2,5 Millionen Dollar 
einbringen könnte. Da ist eine Firma aus Los Angeles, bei der der andere 
australische Medienmagnat, Kerry Packer, im Verbund mit Südkoreas 
Henkelwarenschmiede Samsung mitspielt; Walt Disney natürlich, General Electric 
(Eigentümer von NBC), Chargeurs (prominent an BSykB beteiligt) und sogar der in 
der Öffentlichkeit wenig bekannte deutsche Filmhändler Rolf Deyhle. Ob ein 
bekannterer deutscher Filmhändler auch mitbietet? Man wird sehen -- bis Mai 1997 
muß Credit Lyonnais ihre Mehrheit an MGM abgestoßen haben.

China-TV kommt besser
Während ich mich redlichst abmühe, Rundfunksendern klarzumachen, daß man 
Sat-Freaks nicht so "stiefmütterlich" behandeln sollte, hat heute ein Anruf bei 
der Botschaft der Volksrepublik China in Bonn ein verblüffendes Ergebnis auf den 
Sat-Bändern beschert.
Erst wollte man mir nicht so recht glauben, daß CCTV 4 hier in Europa empfangbar 
ist. Nachdem ich den Hörer an den Fernseher gehalten hatte, glaubte man es mir. 
In einem längerem Gespräch erläuterte ich, daß es gar nicht schön ist, daß der 
Empfang auf PAS-4 sich nun so verschlechtert hat. Der gute Mann drückte sein 
Bedauern darüber aus und sagte, daß man dagegen wohl relativ wenig machen kann, 
der der Uplink über die BBC geht und man sozusagen Untermieter auf dem 
Transponder der BBC sei. Ich schilderte ihm dann nochmals, wie wichtig es doch 
für uns Westeuropäer sei, aus erster Hand Informationen über das Reich der Mitte 
und das dortige Leben zu bekommen. Obwohl nur wenige hier die Sprache verstehen: 
Die Bilder kann jeder sehen, Nachrichten gibt es auch in Englisch, außerdem sind 
einige Beiträge englisch untertitelt. Der gute Mann sagte, man werde sehen, was 
sich machen läßt.
Tja, und was sehe ich heute Abend auf PAS-3R, 43 Grad West. Ich mußte wirklich 
mehrmals hinsehen, ob es keine Halluzination ist. Da sendet nun wirklich und 
wahrhaftig CCTV 4 in PAL, Ton 7,20 MHz, über 4,181 GHz v. Zwar muß ich ein nun 
ein wenig den Tresholdfilter bemühen, aber mit ein wenig Spikes, kommt es 
bedeutend besser rein als über PAS-4 (68,4 Grad Ost.) Bleibt nur zu hoffen, daß 
dies auch so bleibt, und nicht auch hier wieder Transponder geteilt werden. 
(Norbert Schlammer)

Keine Meldung von FAB
Wer erinnert sich noch an FAB, das Fernsehen aus Berlin? Wohl niemand, sofern er 
nicht im Einzugsbereich des Regionalsenders wohnt. Waren da nicht mal Pläne über 
eine EUTELSAT-Abstrahlung? Wohl schon, aber dann gab es Finanzprobleme, neue 
Gesellschafter stiegen ein, und die Sache geriet in Vergessenheit. Wo sie auch 
heute noch schlummert, wie uns jetzt Thomas Kubaczewski demonstrierte. Auf seine 
Anfrage beim Sender hieß es jetzt, man könne weder zu Satellit noch zum 
Sendestart "konkrete Angaben machen". Man werde es aber zu gegebener Zeit den 
Medien mitteilen.


Goldene Worte

"Fernsehen ist eine Blähung der Volksseele. Aber warum brauche ich für einen 
Furz einen Decoder??"
Zitat Dieter Hildebrandt aus der Schweizer Programmzeitschrift TR7, überliefert 
von Thomas M. Gmuer


Nachtrag: Sat-ND, 27.3.96
Das US-Network CBS entwickelt ein Eigenleben. Hatte eben noch ein Manager der 
Eigentümerfirma Westinghouse einen eigenen Newskanal abgelehnt, kommt aus dem 
Sender selbst das Gegenteil. Die News-Abteilung legt Wert auf die Feststellung, 
daß zu der aggressiven Erkundung der Möglichkeiten zwecks Ausweitung auch ein 
24-Stunden-Newskanal gehöre. Geheimnisvoll steckte man der Presse, der Herr von 
Westinghouse könne ja gar nicht wissen, mit welchen Partnern man über einen 
Nachrichtensender verhandle. Ach so!


Thanks to our contributors --

Thomas M. Gmuer: tgmur@tinet.ch
Norbert Schlammer: 100415.3560@compuserve.com

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