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Sat-ND, 27.3.96




Sat-ND -- Informationen zur europäischen Satelliten- und Medienszene

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Nachrichten vom 27.3.1996

Blackout bei ANIK E1
Gestern um 3.47 Uhr Eastern Standard Time verlor Telesat Canada den Kontakt zu
seinem Satelliten ANIK E1 auf 111,1 Grad West. Vorläufige Untersuchung
ergaben, daß es ein Problem mit den Sonnenzellen des Satelliten gegeben haben
muß. Heute wurde der Kontakt mit ANIK E1 wiederhergestellt, der Satellit
provisorisch wieder in Betrieb genommen. Dabei zeigte sich, daß derzeit nur
neun der 24 C-Band-Transponder und fünf der 16 Ku-Band-Transponder
funktionieren. Das weitere Schicksal des Trabanten ist ungewiß: Weder weiß die
Betreibergesellschaft Telesat, ob sich noch weitere Transponder restaurieren
lassen, noch ob sich der Zwischenfall auf die Lebensdauer auswirkt. Eine
völlige Wiederherstellung ist nach Angaben von Telesat jedoch
unwahrscheinlich. ANIK E1 sollte ursprünglich bis Mitte 2005 funktionsfähig
bleiben.
Am Boden bleiben die Auswirkungen gering. Für fast alle Kunden sind die
gebuchten Dienste wieder verfügbar, entweder auf ANIK E1 oder E2 (107,3 Grad
West). Für den Rest erwägt man die kurzfristige Anmietung von Kapazität auf
US-amerikanischen Satelliten. Auch Telesat selbst sieht keinen Grund zur
Aufregung: Dank Datenreduktion lassen sich inzwischen pro Transponder mehrere
TV-Programme übertragen, und gegen Ausfälle dieser Art ist man zudem
versichert. Kein Wunder, traf es einen Satelliten doch schon wesentlich
schwerer: Der vor einigen Jahren außer Kontrolle geratene ANIK D1 konnte im
Gegensatz zu E1 nicht einmal teilweise gerettet werden. Neben ANIK E2 befindet
sich lediglich noch C3 stabil auf einer geostationären Umlaufbahn (114,9 Grad
West); ANIK D2 hauchte sein Leben inzwischen als ARABSAT 1C aus.
Aktuelle Informationen zum Zustand des Patienten gibt's übrigens unter
http://www.telesat.ca/ae1.htm

Neuer Rückschlag für Chinaböller
Die kommerzielle chinesische Raumfahrt geht, so scheint's, langsam den Bach
runter. Während andere Betreiber Aufträge sammeln, stapeln sich in China die
Absagen. ECHOSTAR wechselt zu Arianespace, dann ASIASAT (wo pikanterweise
sogar eine chinesische Staatsfirma beteiligt ist) zu den Russen -- und jetzt
wird auch INTELSAT untreu. Die beiden noch ausstehenden Starts mit
Langer-Marsch-Raketen wurden abgesagt; sie möchte die internationale
Satellitenorganisation jetzt mit Atlas-Raketen von Lockheed Martin durchführen
lassen. Darüber wird derzeit noch verhandelt. Bei den Satelliten handelt es
sich um INTELSAT VII-A-1 (geplante Position: 110,5 Grad Ost) und VII-A-2 (40,
5 Grad West), die jeweils im März und November 1997 mit einer Langer Marsch 3B
gestartet werden sollten.
Offizielle Begründung ist keineswegs die Unfähigkeit der Chinesen, Satelliten
halbwegs sicher und ohne größere Verluste in der Zivilbevölkerung zu starten.
Stattdessen glaubt INTELSAT nicht mehr, daß China die beiden Satelliten der
800er-Serie rechtzeitig dann wird starten können, wenn sie gebraucht werden.
Für die Zukunft will INTELSAT weitere China-Starts nicht ausschließen. 

Nachtrag: L-STAR (Sat-ND, 26.3.96)
Hätten wir doch fast vergessen. Die beiden Satelliten des
Gemeinschaftsunternehmens von ABCN (Thailand) und der laotischen Regierung
werden mit europäischen Raketen gestartet. Der Vertrag mit Arianespace wurde
bereits unterzeichnet; die Starts sind für den Jahreswechsel 1997/98 und die
zweite Hälfte 1998 vorgesehen. Die Entscheidung für Arianespace dürfte auf die
guten Erfahrungen zurückzuführen sein, die man in Thailand mit der Euro-Rakete
gemacht hat. Von der Position 116 Grad Ost, die Laos zugesprochen wurde,
sollen bis zu 500 digitale Fernsehprogramme für praktisch ganz Asien versendet
werden. Jeder der von der US-Firma Space Systems/Loral hergestellten
Satelliten wiegt 3  Tonnen und hält vierzehn Jahre. Wenn nichts
dazwischenkommt. Arianespace freut sich jedenfalls über einen Auftragsstand
von inzwischen 43 Satellitenstarts.

No News
Inzwischen haben fast alle US-Networks ihre eigenen News-Kanäle in Konkurrenz
zu CNN angekündigt. Murdochs Fox Network will einen, weil CNN zu links sei;
NBC will einen, weil Bill Gates einsteigt; ABC will einen, weil alle anderen
auch einen wollen. Alle? Nicht alle. CBS hat den Mut, die Hysterie in der
Branche einfach zu ignorieren. Man werden, so hieß es aus der Führungsetage
des CBS-Eigentümers Westinghouse, zwar weiterhin nach zusätzlichen
Abspielstationen für CBS-Programme suchen, Allianzen schmieden und
Gemeinschaftsunternehmen gründen. Nur einen reinen CBS-Nachrichtenkanal werde
es nicht geben. Man habe zwar eine tolle News-Infrastruktur, doch der Markt
sei nun mal schon voll besetzt.

Springer elektronisch
Der Axel-Springer-Verlag hält neue elektronische Medien für so wichtig, daß
man in den nächsten Jahren jede Menge Geld in sie pumpen wird. 20 bis 30
Prozent der Investitionen werden dorthin fließen, getreu eines vom
Vorstandsvorsitzenden Jürgen Richter vorgetragenen Drei-Säulen-Modells.
Demnach beteiligt man sich (unter dem Motto "Eine dieser Geschichten wird
schon hinhauen") erstens an Online-Diensten wie Bertelsmann/AOL und T-Online,
zweitens will man endlich sämtliche Springer-Objekte auf einer eigenen
Web-Site anbieten, und drittens bastelt man an regionalen Angeboten an den
Verlagsstandorten Hamburg und Berlin. Rund 60 Redakteure befaßten sich im
Verlag derzeit mit den neuen Medien. Gefahren für gedruckte Medien sieht
Richter vor allem bei lokalen und regionalen Zeitungen, denen die
Anzeigenkunden abhanden kommen könnten. Die klassische Tageszeitung hingegen
sei auch durch das Internet nicht zu ersetzen: "Eine gut gemachte Zeitung hat
ihre eigene Atmosphäre, ihren Stil, sogar eine eigene Kultur."


Außerdem...

Der ORB Potsdam lehnt eine Beteiligung am ARD-internen Finanzausgleich ab.
Intendant Rosenbauer: "Wir wollen kein Geld, wollen aber auch keines
bezahlen". Mit einer Satellitenverbreitung des ORB-Fernsehens via ASTRA ist
wegen der finanziellen Problematik derzeit also nicht zu rechnen. (Stefan
Hagedorn)

Über PAS-4 (68,4 Grad Ost) ist bei BBC World, 4,154 GHz, v, zu lesen: "This is
a Test Transmission". Somit kann damit gerechnet werden, daß das Programm in
Kürze einen anderen Transponder belegt, denn der von CCTV International 4,
3,837 GHz h, ist seit heute leer. Das chinesische Auslandsprogramm teilt sich
jetzt wieder einen Transponder mit ESPN. Man sendet auf 3,863 GHz v und ESPN
auf 3,861 GHz h. Der Empfang ist selbst mit 360 cm bei beiden bescheiden. Im
Einzelnen heißt das: Bei ESPN ist das Bild miserabel, der Ton gut, bei CCTV
ist es umgekehrt. (Norbert Schlammer)

Bescheiden schlecht war der Empfang von ntw auf GALS 1/2 (71 Grad Ost) am
heutigen Nachmittag, es war fast kein Bild mehr zu erkennen. Am Abend
allerdings war wieder so gut wie vorher. Allerdings ist nun ein "neues"
TV-Programm auf 11,765 GHz lz zu sehen. Dort sendet jetzt in SECAM, Ton 7 MHz,
das russische ORT 1 seine Westeuropa-Version, die auch über GORIZONT 26 (11
Grad West) zu sehen ist. ntw ist auf dem Satelliten weiterhin in SECAM auf
12,206 GHz lz zu sehen. (Norbert Schlammer)

Nachdem es bereits gestern auf EUTELSAT II-F1 (13 Grad Ost) MPEG-2 Tests mit
AB Channel 1, 12,521 GHz, h, gab, scheint seit heute Abend endgültig nur noch
in MPEG-2 zu senden. Möglich ist freilich auch, daß es kurzzeitig nochmals
analog erscheint, aber auf lange Sicht ist es sicherlich für die meisten
Zuschauer nicht mehr empfangbar. Nach EUTELSAT-Angaben sollen über Transponder
34 (11,658 GHz h) bis zu 25 Programme versendet werden. (Norbert Schlammer)

Reuters TV London verschlüsselt seit heute sämtliche Übertragungen auf
INTELSAT K (21,5 Grad West) in Videocrypt. Bereits in den letzten Wochen waren
die Feeds auf 11,532 h zeitweise codiert, allerdings nie über einen so langen
Zeitraum. Es ist jetzt mit der seit langem erwarteten, dauerhaften
Verschlüsselung zu rechnen. Smartcards sind übrigens nicht erhältlich. (Stefan
Hagedorn)


Thanks to our contributors --

Stefan Hagedorn: 100702.350@compuserve.com 
Norbert Schlammer: 100415.3560@compuserve.com

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