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Sat-ND, 20.3.96




Sat-ND -- Informationen zur europäischen Satelliten- und Medienszene

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Nachrichten vom 20.3.1996

Gori gibt auf
Man kann's ja mal versuchen, dachte sich der italienische Filmproduzent und 
Besitzer dreier Fernsehsender, Vittorio Cecchi Gori, und kaufte kurzerhand die 
einheimischen Fußballübertragungsrechte. Eine Kleinigkeit war vor vornherein 
bekannt (Sat-ND, 1.3.96) - die Gori-Gruppe hat kein Geld. Macht nichts, das 
zahlen irgendwelche Banken, so Gori noch vor kurzem. Der Spuk dauerte keine 
drei Wochen, nämlich bis heute. Gori verzichtete dankend, die RAI kann sich 
freuen und mit ihr alle Zuschauer, die Goris Sender nicht empfangen können 
(und das sind selbst in Italien rund ein Viertel.) Offiziell begründet wurde 
der Rückzug der Gruppe mit dem Druck der Öffentlichkeit und mit "technischen 
Problemen". Mit der alten und neuen Rechteinhaberin RAI wird Gori immerhin 
über einige Spiele verhandeln, die er auf seinen Sendern, allen voran 
Telemontecarlo, ausstrahlen will. 

Wenn zwei das gleiche wollen...
Provinzposse in Bonn: Bund und Länder prügeln sich darum, wer per Gesetz 
Teleshopping und ähnliche meist unter "Multimedia" zusammengefaßte Dienste 
fördern darf. Da sind auf der einen Seite die Bundesländer, die auch 
Teleshopping als Rundfunk betrachten und sich ihrer Kulturhoheit wegen die 
endgültige (Nicht-)Regulierung vorbehalten. Per Staatsvertragsentwurf wollen 
die Ministerpräsidenten Dauerreklame genehmigungsfrei auf die Menschheit 
loslassen, und so ziemlich das gleiche will auch Bonn auf der anderen Seite. 
Die in dieser Sache engagierte Staatssekretärin Yzer vom Forschungsministerium 
betonte folgerichtig auch, daß das geplante Multimediagesetz des Bundes die 
"Gewerbefreiheit" in den neuen Mediendiensten fördern solle. Mit anderen 
Worten: Auch in der schönen, neuen Multimediawelt in der Bonner Version darf 
jeder nach Belieben Dutzende von Transpondern mit Werbemüll vollstopfen. So 
ähnlich wird es wohl drinstehen in dem Gesetzentwurf, der für "die nächsten 
Wochen" angekündigt wurde.
Es ist nicht das erste Mal, daß der Bund einen derartigen Einmischungsversuch 
in Rundfunkangelegenheiten startet: So holte man sich bereits Kanzler Adenauer 
in den sechziger Jahren mit seinem Regierungsfernsehen eine blutige Nase vor 
dem Bundesverfassungsgericht.

Vorerst kein BVN
Es wird nichts aus dem Sendestart des niederländischen Auslandsfernsehens BVN 
(Beste van Nederlands) im Mai. Grund sind offenbar Unstimmigkeiten zwischen 
den beteiligten Rundfunkanstalten NOS und Wereldomroep, auch als Radio 
Netherlands bekannt. Das Auslandsradio sei alleine vorgeprescht, war von der 
NOS zu hören, und man sei auf einen Auslandsfernsehsender sowieso noch gar 
nicht vorbereitet. Das vor allem, weil die Finanzierung nicht gesichert sei. 
Ursprünglich hatte der Sender im Mai gestartet werden sollen, um seine 
Akzeptanz bei Touristen während der Sommermonate zu testen. (Jitse Groen/pck)

Hi Rupert
Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) heißt Rupert Murdoch 
herzlich in Deutschland willkommen. Sein vielbeachtetes Engagement bei Vox 
wurde heute offiziell abgesegnet, die neue Gesellschafterstruktur des Senders 
genehmigt. Der Medienbaron hält dort 49,9 Prozent, Canal Plus und Bertelsmann 
jeweils 24,9. Der Sender selbst konnte sich inzwischen an Kabel 1 
heranarbeiten: Der Abstand zwischen beiden Sendern ist in letzter Zeit nur 
noch minimal. So betrug der Marktanteil von Kabel 1 im Februar 3,4 Prozent, 
der von Vox 3,1.

Zwei News vom Wetterkanal
Wetter- und Reise-TV, das Programm mit den schönen Inserts auf DFS Kopernikus, 
hat jetzt (erstens) einen Programmdirektor und (zweitens) einen neuen 
Starttermin. Der Programmdirektor heißt, wer hätte das gedacht, Jörg 
Kachelmann. Ob er selbst dort auch seine flippigen Wetteransagen zum besten 
geben wird, erscheint zweifelhaft, denn der ex-Wetterman will seine 
meteorologischen Prognosen auch weiterhin im ARD-Programm darbieten. Ach so, 
und der Starttermin: 15. April.

Wird Pay-TV teurer?
Pay-TV wird möglicherweise noch teurer als ohnehin schon. Der 
Bundesgerichtshof gab in einem Urteil den Betreibern von 
Großgemeinschaftsanlagen recht, die vom Pay-TV-Sender premiere eine 
zusätzliche Einspeisegebühr für ihre Netze verlangt hatten. Aus 
kartellrechtlicher Sicht hat premiere dem Gericht zufolge keinen Anspruch 
darauf, wie ein herkömmlicher Sender behandelt zu werden. Verhandelt wird aber 
weiterhin, denn um die medienrechtlichen Vorschriften der Länder ging es in 
dem Urteil nicht. Ein anderes Gericht soll nun klären, ob die 
Pay-TV-Zusatzgebühr mit ihnen zu vereinbaren ist.

Countdown für Flug 501
Alles im grünen Bereich - das ist der Stand beim Projekt Ariane 5. Der erste 
Start wird nach wie vor für den 15. Mai geplant. Seit dem 4. März laufen die 
Vorbereitungen für den ominösen Flug 501, wie er genannt wird. In der ersten 
Woche kümmerte man sich vor allem um die Hauptantriebsstufe, die mit 
Flüssigtreibstoff betrieben wird, und deren Verbindung mit zwei 
Festtreibstoff-Zusatzraketen. In der zweiten Woche ging es um die Verbindung 
der einzelnen Stufen untereinander und mit den Startvorrichtungen. Und 
natürlich werden auch die Cluster-Satelliten vorbereitet, die bei Flug 501 an 
Bord sein werden.
Ariane 5 wird Nutzlasten von bis zu 6,8 Tonnen in eine geostationäre 
Umlaufbahn befördern können, ersatzweise auch zwei Satelliten mit jeweils 3,5 
Tonnen. Die Entwicklungskosten liegen umgerechnet weit über sieben Milliarden 
Mark. Derzeit trägt die französische Raumfahrtbehörde CNES die Verantwortung 
für den neuen Lancher, der ab 1997 von Arianespace betrieben werden soll.

Falsch gepolt
Gerüchte über haarsträubende Fehler gibt es in der Satellitenbranche seit 
langem. Man erinnere sich nur an die Erklärungsversuche, warum der legendäre 
deutsche Direktstrahler TV-Sat 1 seinerzeit nicht in der Lage war, seine 
Solarzellenflügel auszuklappen. Ab und zu kommt so etwas dann tatsächlich 
raus, wie jetzt im Fall Skipper. Das war eigentlich nur ein Forschungssatellit 
der Utah State University, entwickelt in Zusammenarbeit mit Rußland. Der 
Satellit gelangte Ende letzten Jahres planmäßig auf seine Umlaufbahn, stellte 
dann aber sehr schnell den Betrieb ein. Die Ursache für den sieben Millionen 
Dollar teuren Fehlschlag: Die Solarzellen waren verpolt. Anstatt den 
Akkumulator an Bord des Trabanten aufzuladen, taten sie das genaue Gegenteil. 
Falsch angeschlossen wurde der Akku zwar in Rußland, doch ist das den 
amerikanischen Forschern mindestens genau peinlich, hatten sie den Fehler 
während aufwendiger Testserien doch nicht entdeckt.

Ottawa bleibt hart
Kanada bleibt auf Abschottungskurs gegenüber dem unheimlichen Nachbarn USA. 
Das Kabinett in Ottawa verwarf heute die von der Aufsichtsbehörde CRTC an 
Pay-Radio-Betreiber (unter anderem DMX Canada) im letzten Dezember erteilten 
Lizenzen mit der Begründung, der Anteil kanadischer Produktionen in den 
Programmen müsse höher liegen. Abgelehnt wurden auch die Bitten verschiedener 
Satellitenfernseh-Aspiranten, deren Dienste durch Auflagen viel teurer 
ausfallen müßten als die von Kabelnetzbetreibern. Derzeit versucht sich nur 
ExpressVu an digitalem Pay-TV, und das mit erheblichen Problemen. Die 
allerdings liegen auf der technischen Seite; derzeit sucht man nach 
brauchbaren Decodern, nachdem man die des Mitgesellschafters Tee-Comm als 
unbrauchbar abgelehnt hatte.

Wenn zwei Prinzen Geschäfte machen
Der saudische Fernsehprinz Al-Walid bin Talal bin Abdulaziz al-Saud startet 
mit niemand geringerem als Michael Jackson eine neue Firma. Sie scheint nach 
dem Geschmack des Popstars zu sein, soll sie sich doch mit allem möglichen von 
Zeichentrickfilmen bis hin zu Restaurants befassen. Jackson erklärte in Paris, 
er und sein Prinz wollten mit der neuen Firma erfolgreich in der 
Multimedia-Revolution bestehen. Beide Geschäftsmänner betonten ihre 
Verpflichtung für "traditionelle familiäre Werte." Al-Walid betreibt rettete 
durch seinen Einstieg nicht nur Euro-Disney in Frankreich, wo sich der geistig 
leicht retardiert wirkende Jackson offensichtlich seit längerem aufhält, 
sondern besitzt neben diversen Hotels auch Anteile am arabischen Pay-TV art 
und an Silvio Berlusconis italienischen Sendern.


Außerdem...

INTELSAT plant regionale Büros in "Schlüsselregionen". Damit will die 
internationale Satellitenorganisation ihren Kunden näherkommen. Das erste 
Regional-Center soll in Bombay, Indien eröffnet werden. Es wird das erste Büro 
von INTELSAT außerhalb der USA. Die Räumlichkeiten mietet man vom indischen 
Signatar VSNL. Indien ist der elftgrößte INTELSAT-Teilhaber.

Eigentümerwechsel beim Family Channel. Flextech, de facto ein Ableger von 
United Artists, will seinen Anteil am Sender um 61 auf 100 Prozent aufstocken. 
Außerdem hält man 80 Prozent an einem geplanten joint venture mit 
US-Kabelgigant TCI. Es geht mal wieder um TV-Dauerreklame, diesmal in Form des 
Home Shopping Network. In den USA ist das der zweitgrößte Einkaufskanal nach 
QVC, das bereits seit geraumer Zeit auch in Europa seine Dienste via ASTRA 
anbietet.

Ein neuer Transponder wurde am Nachmittag auf INTELSAT K (21,5 Grad West) in 
Betrieb genommen: Auf 12,703 v konnte ein NTSC-Testbild beobachtet werden. 
(Stefan Hagedorn)

Traurig, aber wahr: Die Überspiele auf EUTELSAT II-F1 (13 Grad Ost,) 12,684 
GHz v, scheinen jetzt fast ausschließlich in MPEG-2 zu sein. Fast das einzige, 
was dort noch analog kommt, ist das Testbild CETS Mulhouse. Falls es doch noch 
was Analoges gibt, geht das jetzt über EUTELSAT II-F2 (10 Grad Ost,) 11,162 
GHz h. (Norbert Schlammer)

Thanks to our contributors --

Stefan Hagedorn: 100702.350@compuserve.com 
Norbert Schlammer: 100415.3560@compuserve.com
Jitse Groen: jgl@dds.nl

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