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Sat-ND, 18.3.96




Sat-ND -- Informationen zur europäischen Satelliten- und Medienszene

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Nachrichten vom 18.3.1996

Radiosatelliten, Teil 57
Wieder sind die kleinen grünen Radiosatelliten aufgetaucht, die seit Jahren durch die Fachpresse geistern. Inzwischen kann man ziemlich sicher bestätigen: Jawoll, sie existieren. Und auch wieder nicht, denn inzwischen mutierten die Trabanten AfriStar 1, AsiaStar 1 und CaribStar 1 dem Zeitgeist entsprechend zu -- na, was wohl -- Multimedia-Satelliten. In Auftrag gegeben wurden sie vom amerikanischen Betreiber WorldStar bei Alcatel Espace in Frankreich, und gestartet werden sie mit der Euro-Rakete Ariane. Ein entsprechender Vertrag wurde heute unterzeichnet. Die Satelliten, dem Startgewicht (2700 Kilogramm) nach zu urteilen nicht gerade üppig ausgestattet, sollen jeweils Mitte 1998, Ende 1998 und Mitte 1999 ihren Betrieb im geostationären Orbit aufnehmen. Fünfzehn Jahre lang sollen sie dann digital alles mögliche versenden, neben Hörfunk auch Texte, Videos und was bis dahin noch so alles an Multimedia erfunden wird. In Europa wird man davon nichts zu sehen und zu hören bekommen; Zielgruppe sind die rund vier Milliarden Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. An Empfangsgeräten bastelt derzeit die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft. Keine Angst: Die Wohlstandszonen dieser Erde werden schon sehr viel eher Multimedia via Satellit empfangen, sei es via DirecPC oder Nokias d-box.

Der Tank ist da
Es wird der erste Start eines in den USA gebauten Satelliten mit einer russischen Rakete sein: ASTRA 1F soll nunmehr am 9. April auf die Reise geschickt werden. Der ursprünglich für den 28. März vorgesehene Start wurde wegen eines undichten Heliumtanks abgesagt. Das Helium dient übrigens nicht als Treibstoff, sondern setzt jenen lediglich unter Druck. Der von Hersteller Hughes gelieferte Ersatztank soll sich mittlerweile im russischen Raumfahrtzentrum Bajkonur befinden.
Ein wenig darf trotz der hervorragenden Daten der Proton (Zuverlässigkeit: 96 Prozent bei den letzten 50 Starts) gezittert werden: So versagte beim letzten Trip ins All mit einem RADUGA an Bord die vierte Stufe der Rakete. Inzwischen glaubt man die Fehlerursache in einem lockeren Bolzen gefunden zu haben, der letztlich den Antriebsmotor zur Notabschaltung zwang. RADUGA 33 trifft so das undankbare Schicksal, die Erde derzeit mehr als zweimal täglich umrunden zu müssen.

Ermittlungen gegen KirchGruppe
Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bestätigt, daß Ermittlungen gegen Verantwortliche der KirchGruppe wegen des Verdachts auf Steuervergehen eingeleitet worden sind. In Zusammenhang damit wurde in der letzten Woche die Kirch-Zentrale in München-Ismaning durchsucht. Mit Hinweis auf das Steuergeheimnis wollte man dort aber keine Details bekanntgeben, und ein Sprecher der KirchGruppe selbst ließ sich lediglich zu dem denkwürdigen Statement hinreißen, man könne sich "nicht vorstellen, daß es Probleme gibt." Unklar ist der Anlaß für die Ermittlungen, die angeblich den Megadeal mit dem Metro-Boß Beisheim Anfang 1990 betreffen; unbekannt außerdem, ob wie vom SPIEGEL berichtet auch Räumlichkeiten von SAT.1 durchsucht wurden. Der Sender selbst schweigt eisern. 
Seinerzeit wurden die Rechte für mehr als 1.300 Filme an den Schweizer Multimilliardär Beisheim verkauft, ohne daß die Streifen selbst ihre vollklimatisierten Plätze in Leo Kirchs berühmten Lagerkellern verließen. Das sei bei derartigen Geschäften üblich, hieß es seinerzeit von der KirchGruppe. Die Filme selbst tauchten später teilweise bei SAT.1 und Pro Sieben auf.

The Return of BBC World
BBC World wird am 1. April nach seinem politisch motivierten Rauswurf aus Rupert Murdochs Star TV in den Fernen Osten zurückkehren. Gesendet wird dann auf PAS-2, allerdings digital und somit ohne echte Chancen auf baldigen Direktempfang. Man hofft auf Weiterverbreitung in den Kabelnetzen von Japan, Korea und Taiwan. Pro forma hat man auch die chinesische Regierung von der Abstrahlung unterrichtet; unwahrscheinlich allerdings, daß BBC World in dem Land in irgendeiner Form wieder auftaucht. Schließlich war es der Druck des Regimes, der dafür sorgte, daß die viel zu unabhängige BBC aus dem Star-Paket entfernt wurde. Man sendete bis jetzt zwar per Star TV noch für den indischen Subkontinent, doch auch das ändert sich im April. Dann wird man nämlich die Verschlüsselung aufheben und über PanAmSat uncodiert und analog senden.
Aktuellen Schätzungen zufolge ist BBC in 43 Millionen Haushalten in 111 Ländern empfangbar. 


Außerdem...

Wie man mal eben umgerechnet 12 Millionen DM Klimpergeld kassiert, machte Rupert Murdochs BSkyB anläßlich des Boxkampfs Frank Bruno gegen Mike Tyson vor. Das Ereignis wurde im Pay-Per-View-Verfahren vermarktet, soll heißen: Wer zusehen wollte, mußte rund 24 DM auf den Tisch legen. Eine halbe Million Zuschauer in Großbritannien und Nordirland machte von dem Angebot Gebrauch, wobei die für wesentlich höhere Gebühren erteilten Lizenzen für Pubs, Kinos und Clubs noch gar nicht enthalten sind.

Der Promotion-Trailer auf ASTRA-Transponder 58 (10,847 v) soll nach Angaben von Astra voraussichtlich noch bis Ende September ausgestrahlt werden. Hinter dem Kürzel "multi Thematiques" verbergen sich Canal + und der Bertelsmann-Konzern. Das Signal wird offenbar weiterhin von MPEG 2 in PAL umgewandelt. Vielen Dank für diese Meldung von Holger Zeissler. Allerdings wird das Programm nicht rund um die Uhr ausgestrahlt, von Mitternacht bis zum Morgen ist nur ein Balkentestbild zu sehen. (Stefan Hagedorn)

Wie OM Dr. med. Martin van der Ven mitteilte, ist seit heute über INTELSAT 510 (57 Grad Ost) auf 4,059 GHz, rz, C-SPAN/Worldnet/DW-TV in PAL, Ton 6,60 MHz, aufgeschaltet. Parallel zu 66 Grad Ost, bzw. 27,5 Grad West. Auch die Tonunterträgerbelegung ist die gleiche: 7,60 MHz DW-Radio auf deutsch, ansonsten sehr schmalbandig VOA-Radios auf 7,40 und 7,50 MHz, VoA in Arabisch auf 7,00 und in Englisch auf 7,19 MHz. Der Empfang ist mäßig, auch mit 360 cm. (Norbert Schlammer)


Oddities Zone
Richard H. Brant is a communications engineer at Hughes Mission Control Center. He lives in Southern California, but seems to have been around quite a bit. On the pretty wacky pages he put on the World Wide Web you can see him "hanging out in the streets of Xichang, China" and even listen to "What it sounds like when a Long March 2E rocket explodes a few miles above you for reasons that have yet to be agreed upon (WAV sound file)." Oh, by the way: "Elvis Presley is alive and well and working for the KGB.  This picture was taken at a Russian Orthodox Christmas banquet at the Baikonur Cosmodrome, the Russian launch facility in Kazakstan." Be warned: a journey into his Oddities Zone "is not for the sane of mind." Great!
http://members.aol.com/manimal200/oddities.html


Thanks to our contributors --

Stefan Hagedorn: 100702.350@compuserve.com 
Norbert Schlammer: 100415.3560@compuserve.com

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